KLINIK MENTERSCHWAIGE

Vortrag "Schritte zur Bewältigung von Traumafolgestörungen" vom 11.10.2017

„Fast die Hälfte der Menschheit erlebt im Laufe eines Lebens ein traumatisches Ereignis, als Zeuge von Unfällen oder Schicksalsschlägen, als Opfer von Folter oder Gewalt. Glücklicherweise gelingt es vielen Menschen, das Erlebte zu verarbeiten. Für die Menschen, die damit Probleme haben und aufgrund des Ereignisses eine psychische Erkrankung ausbilden, sind wir da und helfen dabei, diese Traumafolgestörungen und möglicherweise daraus resultierte Nebenerkrankungen zu bewältigen“, fasst Dr. Daniel Hermelink zusammen. Unser Chefarzt der Klinik Menterschwaige informiert am Mittwoch, 11. Oktober 2017 ab 14:00 Uhr über die Ursache und Therapie von Traumfolgestörungen. Der Vortrag ist eine Veranstaltung im Rahmen der Münchner „Woche der Seelischen Gesundheit“ und findet bei uns in der Klinik Menterschwaige statt.

Emotionale Veränderungen
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist wohl die bekannteste Traumafolgestörung. Sie tritt üblicherweise Tage bis Wochen, manchmal aber auch erst Monate oder Jahre nach einem traumatischen Erlebnis auf. Sie kann alle Bereiche des Erlebens und Verhaltens eines betroffenen Patienten betreffen: „Unsere Patienten schildern oft, dass sich ihre Gedanken und Gefühle stundenlang auf das Erlebte konzentrieren, dass belastende Erinnerungen, Bilder oder Filme sich aufdrängen. Aber auch körperliche Symptome und die Anfälligkeit für körperliche Erkrankungen können in Folge eines traumatischen Ereignisses auftreten“, erklärt Dr. Hermelink. „Alpträume, Schreckhaftigkeit, aber auch eine Vermeidung von möglicherweise angstauslösenden Situationen bis hin zum sozialen Rückzug sind weitere häufige Kennzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Depressionen, Angst- oder Suchterkrankungen sind bekannte Folgeerkrankungen“. Treten die traumatischen Ereignisse innerhalb der Kindheit, oder gar innerhalb der Familie auf, spricht man auch von Bindungstraumatisierungen, häufig ist dann auch die Persönlichkeitsentwicklung gestört und es kann sich daraus zusätzlich eine Persönlichkeitsstörung oder eine sog. Dissoziative Störung entwickeln.
Patienten, die ein traumatisches Erlebnis erleiden mussten, berichten häufig von emotionalen Veränderungen: sie fühlen sich abgestumpft, oft wie benebelt, andere sind leicht reizbar, leiden unter starken Stimmungsschwankungen oder spüren eine Entfremdung von sich selbst oder von ihnen vertrauten Personen. Schuld- und Schamgefühle gehen häufig damit einher. „Häufig vermeiden Betroffene nach einem Trauma enge emotionale Bindungen, sie versuchen, belastende Erinnerungen zu meiden. Wenn diese Strategien auch manchmal sinnvoll erscheinen, und ein Versuch sind, mit dem Erlebten selbst fertig zu werden, so können sie die Belastungsstörung auch verstärken“, erklärt Dr. Hermelink. Eine therapeutische Behandlung ist dann sinnvoll; auch wenn die Traumafolgestörung zunächst sehr komplex erscheint, ist eine erfolgreiche Behandlung möglich.

Der Patient als Experte seiner Erkrankung
„Am Anfang jeder Behandlung steht eine ausführliche Anamnese und Diagnostik: wir erfragen alle Informationen und sprechen ausführlich über individuelle Beschwerden. An jeder Stelle des Behandlungsprozesses stehen aber neben den Problemen auch die Stärken jedes Menschen im Mittelpunkt, die wir für die Behandlung nutzen.“ Nach der Aufnahme wird ärztlich ein individueller Behandlungsplan erstellt, den die an der Behandlung beteiligten Experten, wie Psychiater, Psychologen, Milieutherapeuten und Spezialtherapeuten im Rahmen von multiprofessionellen Teams fortlaufend überprüfen. Alle Therapieschritte werden zusammen mit dem Patienten besprochen, denn um nachhaltige Fortschritte zu erreichen, müssen die Patienten aktiv mitarbeiten.

Interdisziplinäre Behandlung
In der stationären Behandlung setzen die Betroffenen sich mit ihrer Erkrankung auseinander: „Sie erhalten Informationen über das Krankheitsbild und wir erarbeiten als ersten Schritt gemeinsam Fähigkeiten, mit überflutenden wiederkehrenden Erinnerungen und dissoziativen Symptomen umzugehen, aber auch innere Sicherheit aufzubauen. In einem weiteren Behandlungsschritt reflektieren die Patienten die eigene Symptomatik und Wiederholungsdynamik auf dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte.“
Den Patienten nicht nur in der akuten Erkrankung unterstützen sondern für den Alltag nach dem Klinikaufenthalt vorzubereiten, darauf zielt jede Therapie in der Klinik Menterschwaige. „Unsere Sozialarbeiter und Psychotherapeuten erarbeiten mit den Patienten Strategien für körperliche und soziale Stabilisierung sowie unterstützen die Patienten bei der Vorbereitung einer ambulanten Weiterbehandlung“.

Vielseitige Therapieangebote
In der Klinik Menterschwaige setzt man auf eine Kombination von Einzeltherapie, Milieutherapie mit Projektarbeit, Gruppentherapie und sog. expressiven bzw. körperorientierten Therapien, wie Kunst-, Reit-, Musik- oder Tanztherapie, aber auch auf physiotherapeutische Angebote sowie diagnosespezifische Angebote. „Unsere Patienten entwickeln ein positives Körpergefühl und aktivieren ihre Ressourcen, ihre Kreativität aber auch soziale Kompetenzen. Gruppendynamische Arbeit ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Behandlung“.

Weitere Informationen zur Veranstaltungswoche der seelischen Gesundheit finden Sie unter http://www.woche-seelische-gesundheit.de/