KLINIK MENTERSCHWAIGE

Häufig gestellte Fragen

Wir möchten Ihnen hier einige Fragen beantworten, die immer wieder von unseren Patientinnen und Patienten gestellt werden.

 

Wie gestaltet sich die Angehörigenarbeit?

Für eine positive Entwicklung der PatientInnen spielt es eine wichtige Rolle, die Angehörigen in die Therapie mit einzubeziehen. Zunächst geht es darum, in Absprache mit der PatientIn den Kontakt zu den Angehörigen herzustellen und diese im nötigen Umfang zu informieren und zu beraten. Eine ausführliche Familienanamnese ermöglicht ein tiefgreifendes Verständnis der PatientIn, ihrer Familiendynamik sowie ihrer aktuellen Problematik, da in dieser in der Regel frühere Erfahrungen reinszeniert, d.h. wieder hergestellt werden. In gemeinsamen Angehörigengesprächen können diese Zusammenhänge für alle Beteiligten transparent gemacht werden. Ferner können die aktuellen Beziehungen geklärt und etwaige Schuldgefühle oder gegenseitige Schuldzuweisungen aufgelöst werden.

 

Was ist eine Einzelpsychotherapie?

Jeder/r Patient/in erhält eine Einzelpsychotherapie. Einzelpsychotherapeutische Sitzungen finden in der Regel ein bis zwei mal wöchentlich statt und dauern 30 bis 50 Minuten. In Krisensituationen kann die Dauer und Frequenz der Einzelgespräche auch erhöht werden. Je nach Struktur der/des Patient/in werden supportive, tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Einzelgespräche angeboten. Dem/der EinzeltherapeutIn obliegt darüber hinaus die Koordination und Kontrolle der gesamten Behandlung.

 

Was passiert nach dem Klinikaufenthalt, was ist eine Entlassungsvorbereitung?

Das Entlassungsmanagement erfolgt in verschiedenen Bereichen. Eine von Sozialpädagogen und Milieutherapeuten geleitete Trennungsgruppe dient den PatientInnen zur Klärung ihrer Lebensumstände und Vorbereitung stabiler Perspektiven für die Zeit nach der Klinikbehandlung. Dies umfasst die Entwicklung realistischer Perspektiven i.S. einer Klärung individueller Wünsche, der Reflexion über die realen Möglichkeiten sowie Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Hauptsächliche Themen der Trennungsgruppe sind die zukünftige Wohnsituation, die ambulante Weiterbehandlung, Aufbau oder Wiederherstellung eines sozialen Netzes und die Vorbereitung einer sinnvollen Tagesstruktur wie z.B. eine beruflichen Tätigkeit oder eine Tagesstätte. Damit verbunden wird die Trennung von der „alten", krank machenden Lebenssituation und auch von der Klinik bearbeitet. Ein weiteres Ziel ist es, die Kontakte der PatientInnen untereinander zu fördern und so die gegenseitige Unterstützung der PatientInnen und damit die Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern.

 

Was ist die Funktion eines Haustherapeuten?

Um den PatientInnen das Ankommen in der Klinik, das mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden ist, möglichst zu erleichtern, gibt es in unserer Klinik die Funktion des Haustherapeuten. Die Person des Haustherapeuten wird noch vor der Aufnahme festgelegt und steht bereits am Aufnahmetag für alle konkreten Fragen zur Verfügung. Solche Fragen sind z.B. der Behandlungsplan der Klinik, Namen und Funktionen der einzelnen Mitarbeiter, bekannt machen mit den zuständigen Therapeuten, Fragen nach den Essenszeiten, der Zimmergestaltung und Vieles mehr. Der Haustherapeut hat die Aufgabe, Fragen bezüglich der Therapie, der Medikation aber auch bezüglich therapeutischer Probleme und Konflikte mit dem Einzeltherapeuten bzw. dem diensthabenden Arzt zu vernetzen.

 

Was darf ich mir unter Filmtherapie vorstellen?

Die Filmtherapie findet 1 mal wöchentlich mit einer Gruppe von 12 bis 16 PatientInnen statt. Sie wird von einem Kunsttherapeuten geleitet. Der jeweilige Film wird von dem Gruppenmitglied vorgestellt, von dem er ausgewählt wurde. In der Nachbesprechung sollte jedes anwesende Gruppenmitglied über den betrachteten Film frei seine Reflexionen darstellen, um über das im Film Erlebte die persönlichen Wahrnehmungen zu bearbeiten, so dass es möglich wird, über die virtuelle Wirklichkeit eine Abgrenzung der eigenen Realität vorzunehmen. Das Medium Film wird benutzt, um biografische, konfliktuöse, aber auch geistige Themen zu bearbeiten.

 

Was ist Konzentrationstrainig mit CogPack®?

Die Förderung der Konzentrationsfähigkeit erfolgt v.a. mit dem CogPack ® . Das CogPack ® ist ein Computerprogramm mit adaptiven Abläufen, welches 1985 für PatientInnen mit schizophrenen Erkrankungen entwickelt wurde. Das Programm soll zur Wiederherstellung gerichteter Aufmerksamkeit, Etablierung kognitiver Strukturen und Strategien sowie zur Formung basaler Arbeits- und Leistungstechniken dienen. Es enthält 62 Tests bzw. Übungsprogramme, die jeweils einer kognitiven Funktion zugeordnet sind. Das CogPack ® umfasst die gesamte kognitive Funktionsbreite, die bei psychiatrischen Patienten beeinträchtigt sein können. Die Übungen können individuell für jeden Patienten eingestellt werden, z.B. indem sie im Aufgabenumfang angepasst oder im Schwierigkeitsgrad verändert werden.

 

Wie gestaltet sich eine sogenannte Großgruppe?

Die Großgruppe findet einmal wöchentlich statt und dauert ca. zwei Stunden. Die Großgruppe dient der Klärung von allgemeinen, die Klinik betreffenden Problemen sowie (auch unbewusten) Konflikten, Schwierigkeiten der PatientInnen untereinander oder mit den TherapeutInnen. In ihr können Anregungen für Aktivitäten oder Verbesserungen eingebracht werden. Neue PatientInnen werden in der Großgruppe begrüßt, Geburtstage gefeiert und PatientInnen, die vor der Entlassung stehen verabschiedet. Die Großgruppe ist ein wichtiges Integrationsforum für Konflikte, unbewusste Gruppenfantasien und geistige Themen.

 

Welche Bedeutung hat die Gruppenpsychotherapie?

Die individuelle Vorgehensweise in der Behandlung wird jeweils von Ihrem Therapeuten mit Ihnen abgesprochen. Alles was Sie bewegt, Ihre Probleme, Ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit den Mitpatienten und den Therapeuten können Sie offen und unausgewählt innerhalb der Therapie ansprechen.

Es kann vorkommen, dass es durch die Behandlung z.T. erheblichen Veränderungen in Ihrer Stimmung, Ihrem Erleben oder Verhalten kommt. Dies gehört zum Therapieprozess. Sie sollten dies Ihrem Therapeuten mitteilen.

 

Was ist eine Reittherapie?

Die Reittherapie findet an drei Tagen in Gruppen mit je 6 bis 8 PatientInnen statt. Sie ist grundsätzlich für alle PatientInnen indiziert. Der Kontakt zu Pferden hilft besonders bei Kontakt- und Angststörungen, Misstrauen und bei Depressionen, Esstörungen und psychosomatischen Erkrankungen und vor allem bei Persönlichkeitsstörungen. Die Reittherapie wird von einer Diplom Sportwissenschaftlerin / Sport- und Reitherapeutin geleitet. Sie impliziert vielfältige Erfahrungen: intensive Körperarbeit wie z.B. Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeit, Erleben des eigenen Körpers, Auflösen von Blockaden. Sie dient dem Aufbau von Vertrauen, Selbstwertgefühl, Kontaktfähigkeit auf zunächst einer nonverbalen Ebene. Soziales, verantwortungsbewusstes und fürsorgliches Verhalten gegenüber dem Pferd und der Gruppe wird entwickelt, der Umgang mit Grenzen, Verankertsein im Hier und Jetzt, Auseinandersetzung mit Ängsten und Stressbewältigung werden gefördert.

 

Was ist eine Maltherpie

Die Maltherapiesitzungen umfassen 90 Minuten und finden wöchentlich dreimal als Gruppenarbeit statt. Sie werden von einem Kunsttherapeuten geleitet. Der Malende äußert sich über die visuelle Sprache, indem er einen Ausdruck seiner unbewussten Konflikte in seinem Bild mitteilt. Die Veränderungen im Verlauf der Therapie sind in den Bildwerken des Patienten sichtbar, d.h. im Umgang mit Farbe und Form, der Wahl der Themen und der Art, wie er/sie handwerklich die Bearbeitung seines Themas umsetzt. Das spezifische Anliegen der Maltherapie in der Klinik besteht in der Arbeit mit den konstruktiv entwickelten, gesunden Persönlichkeitsanteilen eines Patienten. Sie stehen im Mittelpunkt des therapeutischen Handelns, sollen bewusst gemacht, gefördert und gestärkt werden, so dass sie für die Gesundung und Weiterentwicklung der PatientInnen wirksam werden können.

 

Wer erhält medizinische Massagen?

Nach Empfehlung und Verordnung durch die Oberärzte oder auch die EinzeltherapeutInnen erhalten die PatientInnen eine medizinische Massage. Der therapeutische Effekt liegt in der Auswirkung auf das Körpergefühl, in der besseren Wahrnehmung der Körpergrenzen, dem positiven Erleben sich anzuvertrauen und sich überhaupt berühren lassen zu können. Dementsprechend sind die Indikationen für die Massage nicht ausschließlich auf muskuläre Verspannungszustände ausgerichtet.

 

Was versteht man unter einer Milieutherapie?

PatientInnen und TherapeutInnen einer Milieugruppe bilden eine therapeutische Gemeinschaft, bei der jeder Patient entsprechend seinen Fähigkeiten an der Gestaltung des täglichen Lebens in Arbeit und freier Zeit mitwirkt. Dazu gehören die gemeinsamen Mahlzeiten, die Gestaltung des Klinikalltags und der freien Zeit. Einen zentralen Platz in der Milieutherapie nimmt das gemeinsame Projekt ein: es soll den PatientInnen die Möglichkeit geben, ihre Kontaktfähigkeit über das gemeinsame Tun zu verbessern, ihre handwerklichen, künstlerischen und geistigen Fähigkeiten einzubringen bzw. zu entwickeln. Die Gruppe sucht sich auf eigene oder auf Vorschläge von Mitarbeitern ein Projekt aus. In der Wahl der Projekte ( z.B. die Gestaltung einer Bank im Stil von Gaudi, das Herstellen von Skulpturen, den Bau eines Sommerpavillons) sind i.d.R. auch unbewusste Wünsche und Bedürfnisse symbolisiert, die in der Gruppe zu diesem Zeitpunkt eine Rolle spielen.

 

Wie gestaltet sich die Musiktherapie?

Die Musiktherapie findet ein Mal pro Woche statt. Sie wird vom Chefarzt und einer Milieutherapeutin geleitet. Sie ist für alle PatientInnen indiziert, v.a. für die, die sich durch Musik ausdrücken können, oder deren Gruppenangst durch das Medium der Musik verringert wird. Es kann jedes Instrument (Trommeln, Klavier, Flöten, Xylophon usw.) sowie die Stimme oder eigene Instrumente benutzt werden. Vorkenntnisse mit dem Instrument sind ausdrücklich keine Vorbedingung. Die PatientInnen können alleine oder zu mehreren musizieren. Das Spiel ist freiwillig und immer improvisatorisch. Nach dem Spiel kommertiert der/die PatientIn selbst das Gespielte, anschließend erhält er/sie Feedback von den MitpatientInnen und den LeiterInnen der Gruppe. Ergebnisse der Musiktherapie sind: bessere Kontakt- und Gruppenfähigkeit, besserer Ausdruck von Gefühlen und Fantasien und unbewussten Inhalten, Besserung der Auseinandersetzungsfähigkeit, des Selbstgefühls sowie der Kreativität.

 

Was für eine Aufgabe hat der Sozialdienst?

Der Sozialdienstes unterstützt die PatientInnen bei der Bewältigung von sozialen Problemstellungen (in den Bereichen Wohnen, Ausbildung, Arbeit, Finanzen, Rechtsfragen, Beziehungen zur Herkunftsfamilie, eigener Familie und Freunden) und die Arbeit mit Angehörigen. Jedem Patienten wird einer der drei Sozialpädagoginnen zugeordnet, die bei Bedarf des Patienten und in Absprache mit den TherapeutInnen tätig wird. Primäres Ziel ist hier die Hilfe zur Selbsthilfe und die Anleitung zum selbständigen Handeln.

 

Was ist eine Tanztherapie?

Die Tanztherapie findet als Gruppe ein Mal wöchentlich statt. Sie wird von einer Psychoanalytikerin und einer Psychologin geleitet. Sie ist eine besondere Form der Körpertherapie, in der Gefühle spontan in Bewegung umgesetzt werden. Darüber soll ein Zugang zu den Gefühlen und zum Körpererleben hergestellt werden. Ihre therapeutische Wirksamkeit basiert darauf, dass Körper und Psyche untrennbar miteinander verbunden sind. Durch den kreativen Prozess des Tanzes kommt es zu Veränderungen im psychischen und körperlichen Bereich. Die Form von Tanztherapie, die in unserer Klinik durchgeführt wird, wurde hier entwickelt und hat sich als „humanstrukturelle Tanztherapie" etabliert. Die Tänze sind freiwillig und spontan, sie folgen keinen Vorgaben. Auch Musik und Kleidung werden von den PatientInnen frei gewählt. Im Anschluss an jeden Tanz spricht der/die Tänzer/in zunächst über sein/ihr Erleben während des Tanzes, danach geben die Gruppenmitglieder und die TherapeutInnen Feedback, wie der/die Tänzer/in wahrgenommen wurde.

 

Wie darf ich mir die Theatertherapie vorstellen?

Die Theatertherapie ist für alle Patienten der Standardtherapie und für alle Diagnosen indiziert. Ausgenommen sind PatientInnen mit akuter Psychose oder solche, die vorübergehend – etwa wegen sehr großer Ängste – nicht in eine Gruppe integrierbar sind. Die Theatertherapie findet ein Mal wöchentlich für zwei Stunden statt, wobei die PatientInnen zwischen den Gruppensitzungen auch selbständig arbeiten (z.B. Rollen lernen, Bühnenbild und Kostüme entwickeln). Durch das Spiel wird Einblick in alte Dynamiken und die Trennung von überkommenen Rollen möglich. Ziele der Theatertherapie sind: Verbesserung der Kontakt- und Gruppenfähigkeit, Besserung der verbalen und nonverbalen Artikulation von Gefühlen und Fantasien, Entwicklung der Auseinandersetzungsfähigkeit, des Selbstgefühls und der Kreativität.

 

Was ist eine Fertigkeitengruppe?

Ziel des Fertigkeitentrainings ist die Verbesserung der sozialen Kompetenz im interpersonellen Kontakt, die bessere Wahrnehmung der eigenen Gefühle und der Gefühle anderer, Selbstmanagement i.S. der Erlernung eigener Coping-Strategien, um mit Stress oder Frustrationen besser umgehen zu können. Die Sitzung dauert 75 Minuten. Neben der didaktischen Vermittlung des Lernstoffes werden auch in regelmäßigen Abständen je nach Bedarf Rollenspiele, Wahrnehmungsübungen, Bewegungsübungen sowie Entspannungs- und Imaginationsübungen integriert. Je nach Situation bearbeiten die PatientInnen bestimmte Themen entweder in der Sitzung in Kleingruppen, alleine oder auch in Form von Hausaufgaben.

 

Was ist eine Traumatherapeutische Stabilisierungsgruppe?

Ziel der traumatherapeutischen Stabilisierungsgruppe ist es, PatientInnen zu helfen, die ein Trauma erlitten haben und im Selbst- und Weltverständnis erschüttert sind. Hier werden spezielle traumatherapeutische Stabilisierungstechniken vermittelt. Die Therapie ist indiziert für PatientInnen, die aufgrund von Symptomen wie Flashbacks, dissoziativen Zuständen oder Alpträumen von den übrigen Therapien ohne Stabilisierung nur eingeschränkt profitieren würden.

 

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Art Ihrer Störung und dem Verlauf Ihrer Behandlung und wird im Allgemeinen in vier-, sechs-, acht-, zehn- oder zwölfwöchigen stationären Aufenthalten gestaffelt. Bei bestimmten Krankheitsbildern kann auch eine längere Behandlungsdauer angesetzt werden. Die Aufenthaltsdauer wird individuell mit Ihnen und nach den Vorgaben Ihrer Krankenkasse abgestimmt.

Wir wünschen uns eine gute Zusammenarbeit und Ihnen viel Erfolg in der Behandlung!

Das Stationsteam